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Essen in der Familie: "Mit Fastfood entwickeln Kinder keinen Geschmacksinn"

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Véronique Witzigmann hat das Buch "Rettet die Tafelrunde" geschrieben. Im Interview sagt sie, warum sie es wichtig findet, dass Eltern mit ihren Kindern das Essen wertschätzen.

Frau Witzigmann, warum ist gemeinsames Essen so wichtig?

Auch wenn Kinder oft rebellieren: Langfristig gibt ihnen gemeinsames Essen Wurzeln und Halt. Bei den Mahlzeiten sitzt die Familie zusammen und erzählt von Problemen und Erlebnissen. Das ist wichtig für das Selbstbewusstsein der Kinder. Sie lernen nicht nur Tischregeln, sondern nebenbei und unbewusst auch Sozialkompetenz: Rücksicht zu nehmen, andere ausreden zu lassen und das Essen zu teilen. Bei Gesprächen unter Eltern und Geschwistern lernen die Kinder nicht nur durch die verschiedenen Themen, auch ihre Sprache wird gefördert.

Sind Tischmanieren nicht altmodisch?

Gutes Benehmen kommt nie aus der Mode! Das hat etwas mit Respekt zu tun. Man muss allerdings eine Grenze ziehen zwischen den Basics, die jedes irgendwann lernen sollte, und verschärften Kniggeregeln. Zu wissen, dass man Besteck von außen nach innen benutzt, gehört zu den Basics und kann im Beruf wichtig werden. Viele Einstellungsgespräche werden beim Essen geführt.

Wie setze ich die Regeln durch?

Ich bin kein Freund von erhobenem Zeigefinger oder Strafen. Eltern sollten die Regeln spielerisch einbauen und wiederholen. Steter Tropfen höhlt den Stein. Man muss aber aufpassen, dass der Spaß nicht verlorengeht! Man sollte vor allem ein gutes Vorbild sein. Schon Karl Valentin sagte: "Erziehung ist zwecklos, Kinder machen den Erwachsenen eh alles nach."

Warum sollten die Kinder bei der Vorbereitung des Essens helfen?

Es macht einfach mehr Spaß, etwas zu essen, was man selbst gemacht hat! Die Kinder lernen die Vielfalt der Lebensmittel und Zubereitungsmöglichkeiten kennen und sind stolz auf ihren Beitrag zur Mahlzeit.

Was kann man ihnen zumuten?

Das kommt drauf an. Ein dreijähriges Kind kann zum Beispiel Kartoffeln waschen oder den Tisch decken. Mit fünf Jahren können Kinder auch schon Messer und Schäler benutzen, allerdings nur unter Aufsicht! Die Eltern sollten nicht im Stress sein und den Kindern zuerst zeigen, wie man die Geräte benutzt. Idealerweise entsteht ein Dialog, der die individuellen Fähigkeiten und Interessen aller Beteiligten berücksichtigt.

Welche Werte werden durch gemeinsames Kochen vermittelt?

Die Liebe zu den Produkten, die Wertschätzung gegenüber einer Mahlzeit sowie das Erlebnis, etwas mit Spaß und Genuss gemeinsam auf die Beine zu stellen. Wir sind die letzte Generation, die Esskultur und Traditionen noch vermitteln kann. Wenn wir es nicht tun, geht ganz viel verloren.

Wie zahlt sich gute Esskultur langfristig für die Kinder aus?

Kinder haben zwar unterschiedliche Phasen, sind aber immer wieder experimentierfreudig. Eigene Erfahrungen sind sehr wichtig für sie. Die Kinder stellen dann von selbst fest, wo der Mehrwert guter Esskultur für sie liegt. Wer sich nur von Fastfood ernährt, hat es schwer, einen ausgefeilten Geschmacksinn zu entwickeln. Wer nicht bereits als Kind lernt, dass gesundes Essen wichtig ist und dass man sich dafür Zeit nehmen muss, der wird sich auch als Erwachsener schwer tun, eine gute Esskultur zu pflegen beziehungsweise zu lernen.

Ist Essen in Gesellschaft und am Tisch gesünder?

Unbedingt! Man isst bewusster und mit mehr Spaß. Doch auch wer allein isst, sollte es sich schön machen und sich auf das Essen konzentrieren. Man sollte jede Mahlzeit zelebrieren, zum Beispiel mit schönen Servietten, einer Kerze oder einer Blume. Beim "To-Go-Essen", vorm Fernseher oder am Computer achtet man nicht auf die Signale seines Körpers: Das Sättigungsgefühl kommt zu spät, man isst zu viel und genießt nicht richtig.

Was sind die wichtigsten Schritte, um gute Esskultur zu etablieren?

Jede Familie muss für sich selber den optimalen Rhythmus finden. Früher war es normal, täglich drei gemeinsame Mahlzeiten einzunehmen, heute ist das antiquiert. Wichtiger als häufiges Kochen ist, das gemeinsame Essens intensiv zu erleben. Rituale sind wichtig. Einmal pro Woche gemeinsam zu kochen und es sich schön zu machen, ist besser als nichts. Wer keine Zeit für ein ausgiebiges Frühstück hat, sollte sein Kind mit in die Küche nehmen und schnell etwas vorbereiten. Sonst isst es nichts und wird einsam.

Ist selbstgemachtes Essen teurer als ein Fertiggericht?

Das ist alles relativ, aber gutes, selbst gekochtes Essen muss nicht teurer sein. Es hilft, einen Wochenspeiseplan zu erstellen, vorausschauend einzukaufen und auf saisonelle Lebensmittel zu achten. Das Essen muss auch nicht immer warm sein. Brot und Salat sind besser als ein Mikrowellengericht. Der Verlust der Esskultur ist übrigens kein Schichtproblem. Gute Zutaten, insbesondere Bioprodukte, haben natürlich ihren Preis. Doch wenn man heute ein Schnitzel für 99 Cent bekommen kann, dann sollte man sich auch mal überlegen, wie das eigentlich sein kann.

 

Krankenkasse-Umfrage: Deutsche Kinder immer dicker und kränker

Sie essen zu viel Süßes, bewegen sich zu wenig, und hängen zu viel vorm Fernseher und Computer herum: Mädchen und Jungen leben ungesünder als früher, finden Deutschlands Kinderärzte. Die Krankenkasse DAK hält die Ergebnisse sogar für alarmierend.

Mehr psychische Probleme, auffälliges Verhalten, Übergewicht: Die Gesundheit von Mädchen und Jungen in Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren verschlechtert, sagen Kinderärzte. Vor allem Grundschüler zwischen sechs und acht Jahren sind betroffen, schätzen die Mediziner. Das Forsa-Institut hatte dazu im April 100 Kinder- und Jugendärzte befragt, Auftraggeber war die Krankenkasse DAK in Hamburg.

Die Mediziner sehen ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und zu viel Zeit vor Fernseher und Computer als größte Gefahren für die Gesundheit der Kinder. Auch taugen viele Eltern nicht als Vorbild. Und 61 Prozent der Ärzte nannten zu wenig oder schlechten Sportunterricht an Schulen.

Häufiger psychische Probleme und auffälliges Verhalten

"Die Einschätzung der Kinderärzte ist alarmierend", sagte Christina Sewekow von der DAK. "Die Gesundheitserziehung unserer Kinder muss in Deutschland ein stärkeres Gewicht bekommen."

Mehr als die Hälfte der Mediziner erklärte, dass sich der Gesundheitszustand der Kinder seit dem Jahr 2000 eher (51 Prozent) oder deutlich (4 Prozent) verschlechtert habe. "Mit 97 Prozent stellen fast alle befragten Kinderärzte fest, dass vor allem psychische Probleme und Verhaltensauffälligkeiten zugenommen haben", hieß es. 55 Prozent sehen hier sogar einen "starken" Anstieg.

Gerade bei Grundschülern zwischen sechs und acht Jahren treten viele Gesundheitsprobleme durch Übergewicht auf, sagten die Mediziner. "95 Prozent der Kinderärzte stellen hier eine Zunahme fest." Auch motorische Defizite sowie Sprach- und Hörprobleme hätten zugenommen - diese Diagnosen würden am häufigsten bei den Drei- bis Fünfjährigen gestellt.

Eltern und Schule sollen mithelfen

Das Konzept der Früherkennung müsse dringend überprüft und notfalls überarbeitet werden, forderte Sewekow. Es gehe aber nicht darum, die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen auszuweiten, sondern darum, bei den Untersuchungen einzelne Probleme wie Übergewicht in den Mittelpunkt zu rücken. "Wichtig ist auch, Eltern und Schule mehr einzubinden."

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hatte kürzlich eine Reform der Vorsorgeuntersuchungen vom Kleinkind- bis ins Jugendalter gefordert. Wenn Kinder heute in eine Arztpraxis kommen, gebe es andere Probleme als vor 40 Jahren, hatte der Verband erklärt.

 

Ein Magenbakterium schützt vor Asthma

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Ein Bakterium im Magen schützt vor Asthma. Das haben Forscher der Universität Zürich gemeinsam mit deutschen Kollegen bei Mäusen nachgewiesen. Die Studie bestätigt, dass Hygienemassnahmen zur Ausbreitung von Allergien in den letzten Jahrzehnten beigetragen haben.

Zürich. – Durch Allergie verursachtes Asthma hat in Industriestaaten geradezu explosionsartig zugenommen und nimmt heute epidemische Ausmasse an, wie die Uni Zürich mitteilte. Die Gründe für diese rapide Zunahme sind nicht klar. Laut einer Hypothese haben Hygienemassnahmen dazu geführt, dass das Immunsystem in der Kindheit unterfordert ist und so nicht normal reift.

Forscher um die Immunologin Anne Müller von der Uni Zürich haben nun eine Bestätigung für diese so genannte Hygiene-Hypothese gefunden. In einer im Fachblatt «Journal of Clinical Investigation» publizierten Studie weisen sie nach, dass die Asthma-Zunahme wohl auf das gezielte Ausmerzen des Magenbakteriums Helicobacter pylori zurückzuführen ist.

Wichtige Kindheitsphase

Weltweit dürfte die Hälfte aller Menschen mit H. pylori infiziert sein. Häufig verläuft der Befall ohne Symptome. Unter bestimmten Voraussetzungen aber löst das Bakterium Magendarmgeschwüre, eine Magenschleimhautentzündung oder Magenkrebs aus. Oft wird es deshalb mit Antibiotika ausgerottet – selbst wenn der Patient keine Beschwerden hat.

Müller und ihre Kollegen infizierten für ihre Studie Mäuse mit den Bakterien und setzten sie später starken, Allergie auslösenden Stoffen aus. Es zeigte sich, dass diese Allergene bei Mäusen, die schon im Alter von wenigen Tagen mit H. pylori infiziert worden waren, keine oder nur geringfügige asthmatische Anfälle verursachten.

Mäuse, die erst als Erwachsene mit dem Darmbakterium infiziert wurden, genossen dagegen einen weitaus schwächeren Schutz. Die frühe Infektion führe in den Mäusen zu einer Anreicherung von so genannten regulatorischen T-Zellen, die für die Unterdrückung von Asthma entscheidend seien, wird Anne Müller im Communiqué zitiert.

Anfällig durch Antibiotika

Die Forscher wiesen dies nach, indem sie solche T-Zellen auf nicht mit H. pylori infizierte Mäuse übertrugen: Auch diese Mäuse waren nun gegen Asthma geschützt. Im Gegenzug töteten die Forscher bei einigen resistenten Mäusen die Darmbakterien mit Antibiotika ab: Dadurch ging deren Resistenz gegen die Asthma-Allergene verloren.

Die Zunahme von allergischem Asthma in Industrienationen hänge also zusammen mit dem weit verbreiteten Einsatz von Antibiotika und dem daraus folgenden Verlust an Mikroorganismen im Körper, sagte Christian Taube von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, Mitautor der Studie. Dieses Wissen könne bei der Entwicklung von Therapien und Präventionsstrategien helfen.

 

Konsequenzen aus der EHEC-Seuche

Meldepflicht soll künftig verbessert werden

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Untersuchung auf EHEC-Erreger© AFP

Berlin (np) - Die EHEC-Seuche ebbt langsam ab. Politik und Forschung wollen daraus nun Konsequenzen ziehen. Derzeit kann es bi zu zwei Wochen dauern, bis ein Fall das Robert-Koch-Institut erreicht, da wichtige Nachrichten noch immer auf dem Postweg versendet werden. Dann erst werden die Erkenntnisse analysiert und bewertet. Ein langer Weg. Zu lang!

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr will das Meldeverfahren an die modernen Kommunikationsmöglichkeiten anpassen, erklärte der in der vergangenen Woche. So sind die Informationen über die Erkrankung viel schneller verfügbar.

3.000 Menschen erkrankten an dem EHEC-Erreger, 850 bekamen infolge dessen das gefährliche HU-Syndrom, 48 Menschen starben. Die europäische Seuchenkontrollbehörde ECDC stuft die Infektionswelle als "einen der weltweit schwersten Ausbrüche solcher EHEC-Varianten, die HUS auslösen" ein.

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